Lord Nazi Ruso und die neue Rechte in Mexiko

 

Politik, Mexiko
von Manuel Cornelius


Cancun auf der Halbinsel Yucatan gehört zu den beliebtesten Urlaubsdestinationen in Mexiko.
Vor allem für Taucher und Kulturinteressierte bietet die Region eine Vielzahl an Attraktionen.
Als Tauchlehrer verschlug es auch den Russischen Staatsbürger Alekxeij Makeev, 42, bekennender Madonna und Adolf Hitler Fan, nach Cancun. Soweit nichts besonderes mag sich so mancher denken. Dieser Herr sorgte vergangene Woche allerdings für einen Skandal und auch ein weiteres Social-Media-Phänomen.

In seiner Zeit in der neuen Wahlheimat Mexiko drehte Makeev völlig durch und postete unter dem Nicknamen „LordnaziRuso“ laufend Videos in denen er sich selbst dabei filmt wie er mexikanische Frauen beleidigt, schlägt, Kindern den Mittelfinger zeigt, sie als Affen beschimpft, essenden Kindern am Strand über das Essen hinweg trampelt und sich mit Hakenkreuzsymbolen immer wieder in diversen Videos in Szene setzt. Zuletzt tauchte auch ein Video auf in dem er damit prallt eine Mexikanerin vergewaltigt zu haben.

 

Auch einen Polizisten soll „LordNaziRuso“ verprügelt haben. Gegen Kaution konnte sich Makeev allerdings frei kaufen und drehte in gewohnter Manier weiter durch und Videos. So kam es vergangenen Freitagabend dann zum Eklat. Mexikanische Einwohner posteten seine Videos in sozialen Netzwerken und riefen zu einem “Linchiamento”, also Lynchmob auf, um Makeev einen “Denkzettel” zu verpassen. Innerhalb weniger Stunden versammelten sich in Folge hunderte Einheimische mit Holzlatten, Prügeln und Steinen bewaffnet, vor dem Apartment des Russen und begannen damit ihn zu verprügeln und mit Steinen zu bewerfen.

Die Polizei stand bei dem Vorfall um die Ecke und beobachtete das Treiben quasi erste Reihe fussfrei und erschien erst als Makeev bewusstlos am Boden lag. Der ganze Vorfall ging über Stunden.

Nun fordert Russland eine Aufklärung des Vorfalls, denn laut einer Aussendung des Außenamtes soll die Russische Botschaft in Mexiko schon bei der Verhaftung von Makeev den Behörden in Cancun Dokumente geschickt haben welche bestätigen sollen das dieser Mann psychisch krank sei. Doch diese Dokumente landeten angeblich nie bei den Behörden in Cancun.

In der Zwischenzeit tauchten auch Videos von Makeev auf – die ihn bei ähnlichen Aktionen in Russland zeigen – auch dort filmte er sich dabei während er wahllos Passanten und sogar Obdachlose attackierte.

Das Makeev oder Lord Nazi Ruso wie er sich auf Twitter nennt, eine psychische Erkrankung hat, zeigt sich eindeutig wenn man sich die Mühe macht um mehrere seiner Videos ganz genau zu studieren und analysieren. Dennoch hätte es nie soweit kommen dürfen. Die Russische Botschaft in Mexiko hätte wissen müssen was mit ihrem Landsmann passiert wenn dieser weiter in dieser Form auffällig agiert.

Der Gewaltmob, bei dem tragischerweise ein 14 Jähriger Junge verstarb der von Makeev quasi in Notwehr mit einem Messer mehrmals erwischt wurde, ist natürlich aufs Äußerste zu verurteilen, ebenso sollte man allerdings auch wissen wie man sich als Gast in anderen Ländern zu benehmen hat. Da Makeev krank war, muss sich auch die Russische Botschaft den Vorwurf gefallen lassen nicht eher etwas zum Schutz ihres Bürgers unternommen zu haben. Makeev liegt aktuell schwerst verletzt im Koma. Mexiko und Russland streiten nun wer für die Kosten bzw die Folgekosten aufzukommen hat. Das macht den Vorfall insofern spannender da die beiden Länder in der Vergangenheit immer gut miteinander auskamen.

Jetzt mag sich so mancher denken, hach, geschieht ihm recht – bzw hat Makeev zweifelsohne Glück das er noch am Leben ist, in einem anderen Bundesstaat als Yucatan wäre der Mann nicht verprügelt sondern gleich getötet worden. Das mag hart klingen – ist in einem Land wie Mexiko allerdings traurige Realität.

Währenddessen formiert sich auch in Mexiko eine neue obskure Form von Nationalismus. Da auch in diesem Land in Bälde eine neue Regierung gewählt werden wird, befindet sich das Land quasi im Vorwahlkampf. Eine der beiden Großparteien, die „PAN“ bekommt nun laufend Zulauf an rechtsradikalen Mexikanern, teilweise sogar mit Indio-Hintergrund, die sich mit Hitlergruß und Hakenkreuz, präsentieren. Sehr bizarr und Besorgnis erregend. Die PAN Partei gilt von Haus aus als eher „rechts“ und hat nun mit einer kleineren Partei eine Allianz gegründet um zusammen noch mehr Wählerstimmen zu generieren und die Partei gilt derzeit als Favorit da sie in den meisten Bundesstaaten immer mehr Zulauf bekommt.

Fotocredit: Andreas Moser

Was ein Sieg dieser neuen „ultrarechten“ Allianz für das Land bzw auch dessen bilaterale Beziehungen zum Ausland, bedeuten würde lässt sich nur schwer abschätzen. Ähnlich wie in Europa fordern die Nationalisten in Mexiko einen radikalen Kurswechsel. Wie dieser allerdings in einem derart zerrüttetem Land wie Mexiko gelingen kann – darauf hat die PAN aktuell auch nur Nebulöse Antworten. Das Land ist aufgrund des – vom Ausland gesteuerten – Drogenkrieges, schwer angeschlagen und rangiert mittlerweile auf Rang 3 der unsichersten Länder für Journalisten – nach Syrien und Afghanistan! Alleine seit 2017 sind im gesamten Land in Summe 143 Journalisten bzw Presseangehörige getötet worden, oder gelten zumindest als vermisst. In den meisten Massenmedien werden nur die Prominenten toten Journalisten erwähnt, die Dunkelziffer liegt natürlich höher, eben bei 143 und sie steigt leider wöchentlich.

Quellen:

http://internacional.elpais.com/internacional/2017/05/20/mexico/1495312973_012088.html  

http://www.thefalseflag.com/es/2017/05/21/nazis-en-el-pan/ # 

http://www.thefalseflag.com/es/2017/05/17/prensa-mexico-tercer-lugar-del-mundo-asesinatos-periodistas/

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/drogenkartelle-sind-eine-lebensgefahr-fuer-journalisten-in-mexiko-15020538.html

http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/wirtschaft/journalisten-in-mexiko-leben-gefaehrlich;art46442,1032700

Fotocredit: Youtube Channel MundoTKM

 

 

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