TFF Büchertipp: Markus Bickel – Die Profiteure des Terrors / Westend-Verlag

 

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von Manuel Cornelius


Die Rüstungsindustrie freut sich über volle Auftragsbücher

Nach al-Qaida heißt der neue Feind nun Islamischer Staat. Doch Luftschläge im Irak und Syrien sowie Waffenlieferungen an strategische Partner wie Saudi-Arabien haben bislang kaum dazu beigetragen, die mörderische Islamistenarmee an den Wurzeln zu bekämpfen. Stattdessen beschert die Aufrüstungswelle in Nahost deutschen Rüstungskonzernen volle Auftragsbücher. Verlierer sind die Freiheitsbewegungen des arabischen Aufstandsjahres 2011: Denn wie der erste „Krieg gegen den Terror” nach 9/11 dient auch der zweite den Regimes der Region als Blankoscheck für den Ausbau ihrer Repressionsapparate.

Markus Bickel – Die Profiteure des Terrors / Westend-Verlag

Das mag auf den ersten Blick für die meisten Leser nicht neu erscheinen doch die Zahlen und Fakten sind bei genauerer Betrachtung abachtlich. So findet alle 2 Jahre in Berlin eine der wichtigsten Waffenmessen statt die den Deutschen Rüstungsbetriebe beschert und das ausgerechnet neben dem Gelände des Berliner Pannenflughafens. Die Vertreter der Sicherheits- und Wehrtechnikbranche aber können über ausbleibende Abschlüsse nicht klagen.

Insgesamt wurden Rüstungsexporte in Höhe von fast 13 Milliarden Euro genehmigt

Einzelgenehmigungen im Wert von 6,88 Milliarden Euro erteilte die Bundesregierung 2016 deutschen Rüstungsunternehmen – fast 3 Milliarden mehr als zwei Jahre zuvor. Die Zahl der Sammelausfuhren war 2015 mit 4,9 Milliarden Euro um fast 100 Prozent gestiegen: Insgesamt wurden damit Rüstungsexporte in Höhe von fast 13 Milliarden Euro genehmigt.

Nicht nur zur Freude der Big Five der deutschen Rüstungsindustrie – Airbus Defence and Space, Rheinmetall, ThyssenKrupp Marine Systems, Krauss-Maffei Wegmann und Diehl Defence.4 Auch mittelständische Betriebe wie Chemring Defence in Bremerhaven, die Carl Walter GmbH in Wuppertal oder Dynmaik Nobel Defence im Siegerland profitieren von den neuen Rekordexporten.

Die sechs größten deutschen Rüstungsunternehmen.
Wichtigste Bestimmungsländer für Rüstungsgüter im ersten Halbjahr 2016 (in Millionen Euro).
2017-04-06-1491463638-6931545-Bildschirmfoto20170406um09.23.49.png Kommerzielle Kriegswaffenausfuhren in Drittländer von 2005 bis 2015.
Kommerzielle Kriegswaffenausfuhren in Drittländer von 2005 bis 2015.
Wichtigste Bestimmungsländer für Rüstungsgüter 2015 (in Millionen Euro).

Zu viel Öffentlichkeit schadet dem Geschäft

Die regionale Aufrüstungsspirale treibt das weiter an: In Nordafrika haben sich die Militärausgaben in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, im Nahen und Mittleren Osten um zwei Drittel zugenommen. Auf rund 190 Milliarden Dollar summieren sich die Rüstungsetats von Ägypten im Westen, über Israel, die Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC) bis Iran.

Ein Markt, der mit kräftigen Gewinnen lockt, zumal Korruption und Waffenhandel eng zusammengehören. Schmiergeldzahlungen lassen sich zwar oft nicht nachweisen, doch die zahlreichen Gerichtsverfahren auch gegen deutsche Rüstungsproduzenten sprechen eine deutliche Sprache.

Bestechung zum Erwerb politischer Gefälligkeiten gehört gerade in Schwellenländern oft dazu; Saudi-Arabien avancierte hier in den 1980er Jahren zum Vorreiter, als Milliardendeals mit dem britischen Rüstungsgiganten BAE Systems den internationalen Waffenhandel in neue Sphären hoben – jenseits jeglicher demokratischer Kontrolle. Das Credo der Branche könnte deshalb auch lauten: Zu viel Öffentlichkeit schadet dem Geschäft.

Eine verschwiegene Branche die unter sich bleiben möchte

Anders als die machtbewusste Ministerin von der Leyen, die auf ihrem anvisierten Weg ins Kanzleramt keinem Mikrofon und keiner Kamera aus dem Weg geht, scheuen die Manager des Traditionsunternehmens deshalb Blitzlicht und kritische Nachfragen. Misstrauisch schaut der Sprecher des Vorstands des Teilkonzerns Defence Claus Günther hinüber zu den Fotografen und Korrespondenten der Hauptstadtpresse.

Am liebsten agiert der agile Wehrtechnikchef mit Businessanzug und smarter Brille im Hintergrund – Kontakte zu den Entscheidungsträgern des Verteidigungsministeriums und des für Rüstungs- und Kriegswaffenexporte verantwortlichen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Eschborn am Taunus zählen selbstredend dazu.

Kein Unbekannter also für die Verteidigungsministerin. Als dann aber ein älterer Herr mit grauem Haar und roter Krawatte zu der Runde auf dem Diehl-Messestand stößt, ist selbst die ansonsten auf alles vorbereitete Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt überrascht.

“Jetzt lerne ich also den echten Herrn Diehl kennen”, sagt von der Leyen. Thomas Diehl, der Patriarch des 1902 in Nürnberg gegründeten Unternehmens, hat sich eigens für den Ministerinnenbesuch in die Hauptstadt begeben. Zu bereden gibt es genug.

Die größten Geschäfte winken im Ausland

Denn die Branche ist zwei Jahre nach Beginn des Luftkriegs gegen den Islamischen Staat im Irak und in Syrien in Aufruhr – wieder einmal. Zwar hat von der Leyen neue Investitionen in die Bundeswehr angekündigt, die Zeit des Sparens sei vorbei: Bis 2020 soll der Verteidigungsetat so schrittweise um 10 Milliarden Euro erhöht werden, die größte Steigerung im letzten Vierteljahrhundert.

Doch die größten Geschäfte winken im Ausland, wo neben den Vereinigten Staaten, China und Russland zuletzt Frankreich groß auftrumpfte: Der Verkauf des von Dassault Aviation hergestellten Mehrzweckkampfflugzeugs Rafale an Ägypten und Katar bescherte der Rüstungsindustrie der Grande Nation Aufträge im Wert von 16 Milliarden Dolhungen lar.

Auch zwei Hubschrauberträger der Mistral-Klasse lieferte Paris an die Militärmachthaber in Kairo. Abgehängt zu werden von der Konkurrenz fürchtet die deutsche Rüstungslobby, zumal sich die europäischen Produzenten teilweise selbst im Wege stehen: Statt ihre Ressourcen zu bündeln, machen sie sich auf dem profitträchtigen globalen Kampffliegermarkt gegenseitig Konkurrenz.

Nicht nur das Eurofighter-Konsortium mit Sitz in Hallbergmoos bei München buhlt international um Aufträge, Dassault Aviation aus Frankreich sowie der schwedische Hersteller Saab treten mit eigenen Modellen ebenfalls gegen die mächtigen amerikanischen Wettbewerber Lockheed Martin, Boeing und Northrop Grumman an.

Markus Bickel ist der Branche dicht auf der Spur und er liefert mit seiner akkribiachen Recherche das wahrscheinlich wichtigste Buch zur Deutschen Rüstungsindustrie seit Jürgen Grässlin´s Bücher zu Heckler und Koch und dem “Netzwerk des Todes”

Auf 244 Seiten findet der Leser noch mehr Daten und Fakten die einem schon in den Magen gehen können. So ist es in deer Brnache völlig üblich geworden wie zu Zeiten des ersten Iran/Irak Konflikts in den 1980ern, beide Kriegsparteien mit Waffen und Rüstunngsgütern zu beliefern. So liefert man Flugzeuge und Raketen nach Saudi-Arabien, ebenso aber auch nach Israel und Ägypten. Hauptsache die Kasse klingelt denn Deutschland läuft Gefahr an internationalen Parkett an EInfluss zu verlieren, vor allem Frankreich ist dabei den Deutschen wichtige Kunden abzugraben.

Was der Autor schön herausarbeitet ist die Tatsache das wir, der Westen, die Hauptschuld an den Zuständen im Nahen Osten tragen. Unsere Waffensysteme sorgen für den Großteil an Zerstörung, egal von welcher Hand diese bedient werden.

Solange wir dieses Spiel weiterhin zulassen dürfen wir uns nicht über weitere Flüchtlingsströme und Terrorakte wundern die uns vor enorme Herausforderungen stellen und noch vermehrt stellen werden.

Das ist die eigentliche Kernmessage von Markus Bickels Pflichtlektüre

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